Im Jahre 1910 begann sich die Marinesektion mit der Entwicklung von Flugzeugen für die Marine zu beschäftigen.
Drei Marineoffiziere:
Lschlt Viktor v.Klobucar
Lschlt Bozidar Macuranic
Frglt Heinrich Huß
wurden zur Militäraeronautischen Station nach Wr.Neustadt abkommandiert um den Heerespilotenschein zu erwerben.
1911 wurde damit begonnen eine Seeflugstation zu errichten.Der Ausbau wurde Lschlt Viktor v.Klobucar übertragen.Nach Rückkehr der drei Marineflieger von ihrer Ausbildung begann man auf der Insel Santa Catarina,die im Hafen von Pola liegt,eine Versuchsstation aufzubauen.Durch Aufschüttung wurde sie vergrössert,ein Hangar für 20 Maschinen gebaut,weiters Lagerschuppen und Mannschaftsunterkünfte.Natürlich musste auch eine Anlegestelle für die Boote geschaffen werden.Die ersten Seeflugzeuge waren vier französische Donnet-Leveque der FBA (Franco British Aviation)
Ende 1912 umfasste das fliegende Personal folgende Marineoffiziere:
Frglt Heinrich Huß
Lschlt Viktor v.Klobucar
Lschlt Bozidar Macuranic
Lschlt Hugo Ockermüller
Lschlt Wenzel Wosecek
Frglt Gottfried Banfield
Nun wurde noch ein Schwimmerflugzeug vom Typ Sanchez-Besa und zwei Flugboote Curtiss-Paulhan angekauft.
Mit dem Ankauf dieser ausländischen Maschinen und den eigenen,von Dipl.Ing.Mickl gebauten, standen zehn Maschinen für den Probebetrieb zur Verfügung.
1913 wurde auf der Insel Cosada im Kanal von Fasana eine Schulflugstation eingerichtet.
Der erste Einsatz in der Geschichte der Flugboote erfolgte im Zuge der Blockade von Skutari durch eine Flottenabteilung aller Grossmächte gegen die serbische Enklave in Albanien.Nachdem man von der Unterbringung der drei Maschinen an Bord eines Schiffes abgekommen war,errichtete man die Küstenflugstation Kumbor im Golf von Cattaro von wo die Maschinen nicht nur Erkundungsflüge unternahmen,sondern auch die ersten Luftbilder der Küste heimbrachten.
Der erste Kommandant der Marineflieger Lschlt Viktor v.Klobucar schiffte sich im Herbst 1913 auf SMS Kaiserin Elisabeth ein,bei deren Verlust er in Tsingtau in japanische Gefangenschaft geriet .
Zweiter Kommandant wurde Lschlt Wenzel Wosecek.
Die Marineflugzeuge zeigten nun als Hoheitszeichen die k.u.k. Kriegsflagge am Seitensteuer.
Im November 1913 begann dann die Ära der Lohner Flugboote mit dem Typ „E".Bis Ende 1914 wurden 20 Flugboote Typ „E" von der Marineverwaltung übernommen,von denen 18 von der Firma Lohner und 2 in den Werkstätten des Seearsenals in Pola( M31 und M39)gebaut wurden.
Noch vor Ausbruch des Krieges wurden fünf Flugboote Typ „R" übernommen,die ausschliesslich der Fotoaufklärung dienten.Im Herbst 1914 wurde in jene Typ „E" Maschinen die von einem 100 PS Mercedes Motor angetrieben wurden ein 6,5 mm MG Schwarzlose eingebaut und ab diesem Zeitpunkt auch als Angriffswaffe eingesetzt.Bei Kriegsbeginn standen 25 Marinepiloten zur Verfügung.
Der erste Bombenabwurf durch ein Flugboot (E 18 Frglt Konstantin Maglic,Oblt Pieler) erfolgte am 15 August 1914 auf Krstac.
Die ersten Geschwaderangriffe wurde am 23 Oktober 1914 durch
E 33 Lschlt Ockermüller,Hptm Dvorzak
E 34 Lschlt Mikuleczky,Frglt v.Fontaine
E 18 Frglt Prebanda,Oblt Pieler
nach Antivari ausgeführt.
Zur Veranschaulichung:Im Oktober 1914 betrug die Flugzeit der Station Kumbor 72,5 Stunden und 4196 Seemeilen.
Berühmt wurden Österreichs Seeflieger durch ihre Nachtangriffe,die sie zu höchster Fertigkeit brachten.Der erste belegte war am 9 November 1914 durch Frglt Prebanda und Hptm Dvorzak nach Antivari.
Einen Rückschlag erhielten die Bocce Flieger durch die Zerstörung ihrer Hangars während eines Sturmes.Ziel dieser Einheit war im weiteren Kriegsverlauf Bombardement der Bahnlinie Antivari-Virpazar.
Im Laufe des Jahres 1915 wurden die bestehenden Flugstationen Santa Catarina,Cosada und Kumbor erweitert und fünf neue Flugstützpunkte in der Bucht von Pietro bei Sebenico,Puntisella in der Bucht von Ronzi (Hafen Pola),Triest,auf der Insel Lagosta und in Spalato errichtet.
Als die Seefliegerschule auf der Insel Cosada wegen veralteter Maschinen den Schulungsbetrieb nicht voll erfüllen konnte,wurde eine grössere Anzahl Marineoffiziere nach Hamburg-Fuhlsbüttel abkommandiert.
Während des Jahres 1915 wurden immer mehr Flugboote Lohner "Typ L" angeliefert und bewährten sich hervorragend.
Insgesamt wurden 105 Flugboote des "Typs L" von den Lohner-Werken und UFAG gebaut.
Am 27 Mai 1915 musste L 40 mit Lschlt Wosecek während eines Angriffes auf Venedig infolge eines Motorschadens in der Lagune von Comaccio notwassern und fiel in italienische Hände.
Die Italiener nützten das Wissen aus diesem Fang und begründeten darauf ihre Macci-Flugboote,die ab Herbst 1915 erbitterte Feinde der österreichischen Marineflieger wurden.
Eine der Hauptaufgaben war es,feindliche Lenkballone,die österreichische Küstenstädte mit Bomben belegten,abzufangen.So kam es am 5 Juni 1915 zumAbfangen der Citta di Ferrara durch L 48 mit Lschlt Klasing und Beobachter Seekadett von Fritsch.Nach Beschuss mit Bordmunition, Ballonpatronen aus einem Stutzen und mit einer Signalpistole begann das Luftschiff zu brennen und stürzte ab.Die Besatzung,ausser zwei Mann die nicht überlebten, wurde von herbeigeeilten k.u.k. Torpedobooten gerettet.
Nach Lschlt Wosecek wurde Lschlt Okkermüller (28. Juni 1915 - 23. November 1915) Kommandant des Seeflugwesens.
Nachfolger wurde Lschlt Mikuleczky (24. November 1915 - 1.August 1917).
Die Tätigkeit der k.u.k.Seeflieger erstreckte sich grossteils auf Erkundungs, Aufklärungs- flüge,Angriffe auf feindliche Einheiten, Objekte und Truppen.Weiters Verfolgung feindlicher U Boote sowie die Verteidigung der eigenen Häfen und Einheiten.Wenn ein Flugboot notwassern musste,war es üblich,daß andere Besatzungen versuchten die Kameraden zu retten,sollte es nicht möglich sein,wurde die eigene Maschine mit Flugbenzin übergossen und vernichtet.Ein Beispiel dafür ist L 43 mit Freglt Maglic,der nach einem Motorschaden fünf Km vor der italienischen Küste seine Maschine mit der Leuchtpistole in Brand schoss und in Gefangenschaft ging.
Ende November 1915 verfügten die k.u.k. Seestreitkräfte über 65 Marineflugzeuge.
Ab März 1916 wurden bei den Hansa Werken eine grössere Anzahl von Flugzeugen und bei BMW Motoren bestellt.Obwohl von Kriegsbeginn bis Mai 1917 etwa 300 Maschinen in Dienst gestellt wurden,muss man bedenken,daß zahlreiche im Schulungsdienst standen,andere veraltet oder bei Einsätzen verloren gingen.
Ein besonderes Ereignis ist die Versenkung des französischen U Bootes Foucault durch einen Bombentreffer durch Freglt Zelezny und Beobachter Freglt Freiherr v.Klimburg. Dieses Flugboot und ein zweites unter Lschlt Konjovic und Freglt Sewera retteten die gesamte Besatzung,2 Offiziere und 27 Mann. Diese konnten sich nur am Bootsrumpf festhalten,da natürlich kein Platz in den Flugbooten war.So näherten sie sich auf dem Wasser fahrend der heimatlichen Küste und wurden von einem herbeieilenden Torpedoboot unterstützt.
Als sich der Einflug italienischer Bomber unter Jagdschutz durch Nieuport 11 häufte,und es den Marinefliegern mit ihren Maschinen bald nicht mehr möglich war effizent einzugreifen, begann man sich den Bau von Jagdflugbooten zu überlegen.
Als erstes wurde auf Ratschlag Lschlt von Banfields ein Lohner "Typ E" mit einem 145 PS Hiero Motor und einem 8 mm MG ausgestattet.
Im Frühjahr 1916 wurden sieben Landflugzeuge des deutschen Typs Fokker E III angekauft und mit der Bezeichnung „A" in Dienst gestellt.
Als Prototyp wurde für Lschlt von Banfield ein einsitziges Jagdflugzeug "A 11 Blauer Vogel" konstruiert,doch bevor die Serienproduktion begann wurde das von Ernst Heinkel entwickelte Flugboot Hansa-Brandenburg CC vorgezogen,mit dessen Produktiondie Firma Phönix begann.
Die Marineverwaltung übernahm 40 Maschinen mit der Bezeichnung "A".
Als Nachfolge für die Lohner "Typ L" begann die Firma Phönix zusammen mit UFAG und ÖFFAG mit dem Bau der "Type K".Einige Maschinen kamen zur Auslieferung,doch im Herbst 1916 übernahmen die Herstellerfirmen die Produktion eines von Heinkel gebauten Flugbootes ebenfalls mit der Bezeichnung "Typ K".Bewährtes Hauptteil war bei allen Modellen der Zentralschwimmer der Lohnerkonstruktion,nur hatte Heinkel vor dem Cockpit noch einen zusätzlichen Platz für einen Bordschützen geschaffen,so daß nun der Hansa-Brandenburg "Typ K" eine Besatzung von drei Mann hatte und somit die Feuerkraft wesentlich erhöht wurde.
Die Hansa-Brandenburg „Typ W 13" brachte noch weitere Verbesserungen und so wurden 128 Maschinen bestellt und mit der Bezeichnung K 301 in Dienst gestellt.
In das Jahr 1917 flogen unsere Maschinen von folgenden Seeflugstationen:
Triest,Parenzo,Pola,Lussin,Fiume,Sebenico,Rogosnica,Lagosta,Kumbor und Durazzo.
An Stelle der Seeflugleitung wurde das Kommando des Seefliegerkorps geschaffen.
Erster Kommandant wurde Lschlt Borivoj Radon.
Alle technischen Angelegenheiten,die Abnahme der Boote, Überholungen und Korrespondenz mit Herstellerfirmen wurde ab sofort nur mehr von Santa Catarina wahrgenommen.
Wir wollen uns jetzt mit der Gliederung ab Mai 1917 befassen.
Kommando des Seefliegerkorps in Pola-Monumenti
Seeflugstationen:
Triest,Parenzo,Pola mit Lussin und Fiume,Sebenico mit Rogosnica,Curzola und Lagosta,Kumbor mit Durazzo,Cosada.
Flugarsenal auf Santa Catarina
Konstruktionsbüro Wien und Bauaufsicht.

Der Mannschaftsstand betrug:
112 Stabspersonen und 2030 Mann.

Im Sommer 1917 wurde die Überlegenheit der gegnerischen Luftwaffe immer drückender,sodaß 12 Landflugzeuge des Typs Phönix D I auf Flugfeldern nahe der Häfen stationiert wurden. Kurz darauf wurden die einsitzigen Jagdflugboote Hansa-Brandenburg "Typ A" in Dienst gestellt und stellten sich durch Steigfähigkeit und Geschwindigkeit (200 kmh) als äusserst brauchbare Waffe vor.
Selbstverständlich unterstützten die Marineflieger auch alle Isonzo-Offensiven.
In der 10 Isonzoschlacht griffen am 25 Mai 1917 sieben Seeflugzeuge feindliche Stellungen an.
Den ersten Nachtabschuss der Luftkriegsgeschichte errang Gottfried von Banfield am 31 Mai 1917 um 22Uhr 30 mit L16.Er zwang ein italienisches Seeflugzeug bei Miramare zur Landung.
Im Jahre 1918 flogen Seeflugzeuge Einsätze gegen Rosega ,Venedig, Nogaro, Tagliamentomündung und viele andere. Gleichzeitig wurde die Armee tatkräftig als Schlachtflieger unterstützt.Im Juni und Juli 1918 häuften sich die Abwehrkämpfe gegen feindliche Bomber über den eigenen Häfen.Durch die grosse Übermacht gelang es dem Feind am 17 Juli 1918 Pola und das Arsenal zu bombardieren und grossen Schaden anzurichten. Nur drei eigene Jäger stiegen auf,konnten aber nicht an den Feind kommen.
Vereinzelt wurden Vergeltungseinsätze gegen feindliche Flughäfen mit gutem Erfolg geflogen.
Ende September 1918 zählte das Seeflugwesen noch immer 266 Maschinen.
Insgesamt bekamen die Seeflieger während des Krieges 583 Flugzeuge.
18 Flugboot "Typ E"
2 Flugboot "Typ M"
105 Flugboot "Typ L"
38 Flugboot "Typ S"
12 Flugboot "Typ G"
98 Flugboot "Typ K"
128 Flugboot "Typ KG"
103 Flugboot "Typ A"
7 Landflugzeuge Fokker A III
27 Flugboot "Typ R"
2 Flugboot "Typ F"
3 Flugboot "Typ T"
30 Flugboot "Typ J"