Marineakademie Gesamtansicht 1860

Marineakademie Gesamtansicht 1890

Marineakademie Gesamtansicht 1899

Marineakademie Bootshafen

GESCHICHTLICHE ÜBERSICHT

Österreich besaß bis zur Übernahme von Venedig und seiner Besitzungen in Istrien und. Dalmatien nach den Bestimmungen des Friedens von Campo Formio (17.10.1797) nur zwei schmale Küstenstreifen. Der eine reichte von Monfalcone bis in die Bucht von Muggia, der andere vom Arsa- Kanal bis etwas südlich von Carlopago. Inseln gehörten nicht dazu.
Der Schutz dieser Küstenstreifen oblag einer Kriegsmarine von minimalem Kampfwert. Sie bestand aus ungefähr zwanzig Kleinfahrzeugen, meist Kanonierschaluppen, und zählte an Stab und Mannschaft kaum 600 Köpfe.
Kommandanten waren in der Regel Ausländer, desgleichen Offiziere, oder sie kamen aus der Handelsmarine. Irgendeine Notwendigkeit zur Heranbildung von Seeoffizieren bestand nicht.
Venedig gründete 1774 eine SCUOLA DI MARINA, die es aber nie zu irgendwelcher Bedeutung brachte und mit dem Fall der Republik zu bestehen aufhörte.
Als Österreich am 18.1.1798 Venedig in Besitz nahm, übernahm es zwar die Reste der venezianischen Marine und das Arsenal, aber keine Schule. Die vielfachen Vorschläge zur Gründung einer solchen scheiterten an dem Unverständnis der leitenden Persönlichkeiten und erst am 17.3.1802 befahl Erzherzog Karl die Errichtung der
K.K. MARINE - CADETTENSCHULE (CESAREA REGIA SCUOLA DEI CADETTI DI MARINA)
im Arsenal von Venedig, die Anfang Mai 1802 eröffnet wurde. Unterrichtssprache war, wie nicht anders zu erwarten, das Italienische.
Auf Grund des Friedensvertrages von Pressburg (26.3.1805) musste Venedig an das Königreich Italien abgetreten werden und durch den Frieden von Schönbrunn (14.10.1809) verlor Österreich seine ganze Küste. Die Marine- Cadettenschule hatte mit dem Verlust Venedigs zu bestehen aufgehört und wurde bis l809 nirgendwo anders reaktiviert.
Zu Beginn des Jahres 1811 wurde von der italienischen Regierung in Venedig im ehemaligen St. Anna-Kloster ein COLLEGIO DI MARINA gegründet. Es war nach französischem Muster aufgebaut und stark unter französischem Einfluss.
Durch die beiden Pariser Frieden (30.6.1814 und 20.12.1815) erhielt Österreich Venedig zurück und übernahm auch das vollständig ausgerüstete COLLEGIO, welches bis 1820 unter dem Namen MARINE- COLLEGIUM und von da an als K.K. MARINE- CADETTEN- COLLEGIUM weitergeführt wurde. Diese Anstalt bestand, mit italienischer Unterrichts- sprache, bis 1848, Deutschunterricht, sozusagen als Fremdsprache, wurde zwar schon 1820 vorgesehen, aber erst in den 40er Jahren tatsächlich eingeführt.
Aus dieser Anstalt kamen u.a. Vizeadmiral Wilhelm von Tegetthoff und Admiral Maximilian Freiherr Daublebsky von Sterneck und Ehrenstein.
Mit dem Abfall Venedigs (22.3.1848) hörte die Anstalt zu bestehen auf. 28 Zöglinge und ein Teil des Lehrkörpers gingen nach Triest.
Am 14.5.1848 konnte das K.K TRIESTER MARINE- CADETTEN- COLLEGIUM mit dem Unterrichte beginnen. Deutsch wurde zur Unterrichtssprache, obwohl noch einige Gegenstände bis 1853 italienisch vorgetragen wurden.
Als Venedig zurückerobert wurde, kam das Collegium nicht mehr dorthin sondern verblieb in Triest. Die Bibliothek und die Schulbehelfe wurden aus Venedig nach Triest gebracht.
Am 14.2.1852 wurde das Collegium in K.K. MARINE AKADEMIE umbenannt.
Als der Platz, auf dem das Akademiegebäude stand, für den Bau des Südbahnhofes gebraucht wurde und man sich nach einem geeigneten Grundstück für den Neubau umsah, sprang das Munizipium von Fiume ein. Es schenkte dem Ärar ein Areal welches es von einem Herrn von Ciotta um 50.000 fl gekauft hatte, für den Neubau der Marine - Akademie, mit der Auflage, dass zwei Freiplätze in der Akademie mit Fiumanern besetzt werden. Die in der Marine kursierende Version, dass der Baugrund von der Familie Gorup geschenkt wurde, gehört demnach in das Reich der Fabel. Mit dem Bau der Akademie wurde am 22.5.1855 begonnen, der Grundstein aber in den schon weit fortgeschrittenen Bau erst am 26.3.1856 von Erzherzog Ferdinand Max unter großen Feierlichkeiten gelegt.
Der Bau wurde am 3.10.1857 vollendet und am Tag darauf eingeweiht und bezogen.
Die Akademie blieb aber nur ein Studienjahr (1857/58) im neuen Gebäude, denn sie wurde mit Ende desselben nach Triest zurückverlegt. Das Gebäude wurde vom Kriegsministerium übernommen und im September I858 von den Zöglingen der Krakauer Kadettenschule bezogen.
Aber auch der neue Zustand währte nicht lange, denn die Akademie wurde am 3.5.1859 aufgelöst. Der älteste Jahrgang wurde zu Cadetten ausgemustert, der 3. und ein Teil des 2. Jahrganges zu provisorischen Cadetten und der Rest teils auf andere Militär Anstalten verteilt, teils beurlaubt.
Nach Beendigung des Krieges 1859 wurde die Marine Akademie nicht wieder errichtet, sondern es wurden bei der Hydrographischen Anstalt der Marine in Triest mit Anfang 1860 ELEVEN-COURSE ins Leben gerufen. Da die Course auf SMS VENUS abgehalten wurden, wurde das Ganze das "Venus-System" genannt.
Bis dahin führte der Leiter der Anstalt den Titel "Director", von 1860 an, da er zugleich Schiffskommandant war, den Titel "Commandant", der dann auch auf den Leiter der Marine Akademie überging. Der Krieg 1866 unterbrach den Unterricht. 16 Eleven wurden ausgemustert, 8 entlassen und die übrigen beurlaubt.
Mitte Oktober 1866 wurde die Marine Akademie wieder in Fiume eröffnet und blieb dort bis 1914, seit 1889 als K.U.K. MARINE AKADEMIE
Zu Kriegsbeginn 1914 wurde sie zuerst nach Wien in die Stiftskaserne verlegt, danach nach Schlosshof.
In Schlosshof blieb die Akademie nur das Studienjahr 1914/15 und war dann von Beginn des Studienjahres 1915/16 bis zum Ende November 1918 in Braunau am Inn.
Aus der Marine-Akademie in Fiume gingen u.a. hervor: Admiral Maximilian Njegovan (Rangerster l877) und Kontreadmiral Nikolaus Horthy von Nagybanya (Rangletzter 1886). 1914 kam ins Gebäude in Fiume ein Feldspital und nach dem Zusammenbruch 1918 das Fiumaner Städtische Krankenhaus.

Marineakademie Schlafsaal

Marineakademie Exerzierhof

Marineakademie Speisesaal

Marineakademie, heute Krankenhaus der Stadt
ein Bild aus heutigen Tagen

Bild: Erwin Sieche

Ausbildung auf den Booten der Marineakademie, Bilder aus dem Nachlass von Fregattenleutnant Bernhard Matuschka

Torpedofabrik und Werft Whitehead