Der Beobachter während des Einsatzes am
8. Juni 1915 war Fregattenleutnant Johann Fritsch von Cronewald.
Er stürzte am 22.4.1917 mit dem Seeflugzeug K204 bei einem Probeflug aus 800m Höhe bei Kap Laghi (Durazzo/Durres-Albanien) tödlich ab.

Mit diesem Flugboot gelang der Abschuss des italienische Marineluftschiff CITTÀ DI FERRARA

Linienschiffsleutnant Gustav Klasing      ( Geb. 10 März 1884 - Gest. 6. November 1916 )

Ein Bericht von Oliver Trulei

Ein Leben unter und über Wasser

Gustav Klasing wurde 10.März 1884 in Triest geboren. In Klagenfurt besuchte er die Oberrealschule und trat
1902 als Seeaspirant in die Kriegsmarine ein. Zunächst war er kein guter Schüler, denn Linienschiffsleutnant Franz Budik, Leiter der See-Aspiranten-Schule meinte: "mäßiger Eifer mit entsprechenden Erfolgen" doch dies änderte sich und er legte die Prüfung mit "gutem Erfolg" ab und wurde am 1. Februar 1904 zum k.u.k Seekadett 2.Klasse ernannt. Er diente als Seekadett unter anderem auf den Schiffen RADETZKY, MONARCH, CUSTOZA, TEGETTHOFF und wurde stets als "lebhaft, begabt, eifrig mit entsprechendem Erfolg" beschrieben.

Am 5. März 1907 kam er als Signalkadett auf Panzerkreuzer ST. GEORG unter dem Kommando von Linienschiffskapitän Ludwig Ritter von Höhnel (6.8.1857 - 23.3.1942). Das Schiff sollte gemeinsam mit dem Kreuzer ASPERN zur Feier anlässlich des 300 jährigen Jubiläums der Besiedlung in Jamestown, Virginia in See gehen. Für den 23 jährigen Seekadetten ein einmaliges Erlebniss. War es doch damals eine der wenigen Möglichkeiten fremde Länder kennen zulernen. Auch hier entsprach er nicht ganz den Erwartungen, den Alexander Hansa ( 16.9.1863 - 4.11.1918), GDO2 meinte: "genügend eifrig mit entsprechendem Erfolg." Aus Amerika zurückgekehrt kam er im September 1907 als Hörer des Offiziers-Torpedokurses auf S.M.S. ALPHA. Der GDO Linienschiffsleutnant Otto Brosch meinte zunächst: "könnte bei entsprechendem Eifer mehr leisten". Doch bereits etwas später hieß es wieder: "strebsam, eifrig mit entsprechendem Erfolg" und "begabt, gelegentlich heiter" Den Offizierstorpedokurs legte er dann mit "Gutem Erfolg" ab.
Am 1. Mai 1908 wurde er zum Fregattenleutnant befördert, erkrankte aber wenig später und war anschließend bis im September 1908 beurlaubt. Am 13. September 1908 trat er als 2. Offizier auf S.M. Torpedoboot BUSSARD seinen Dienst an. Auch hier wurde er vom Kommandanten der Torpedoboots- station Triest Linienschiffsleutnant Alfons Wilfan zunächst mit: "wenig eifrig mit entsprechendem Erfolg" beschrieben. Dies änderte sich später erneut in ein: "Eifrig mit gutem Erfolg". Er kam im September 1909 als 3.Offizier auf S.M. Torpedoboot KRAKE. Sein Kommandant Linienschiffleutnant Wilhelm Potsch beurteilte ihn als: "strebsam, eifrig mit gutem Erfolg"

Es folgten weitere Einschiffungen auf S.M.S STEPANIE und S.M.S. KRONPRINZ RUDOLF, bis er am 6. Juni 1911 zur Unterseebootsstation Pola kam. Die stets wechselten Beurteilungen hatten nun ein Ende. Ab nun sind seine Vorgesetzten stets mit ihm zufrieden.
Korvettenkapitän Erich Heyssler (6.8.1869 - 4.10.1948) beurteilte ihn als: "eifrig und strebsam". Am 22. September 1911 wurde er 2. Offizier auf S.M. Unterseeboot "III". Der Kommandant Linienschiffsleutnant Richard Gstettner (19.03.1882 - 15.05. 1934) meinte: "Im Torpedowesen sehr gut ausgebildet. Sehr gute Küstenkenntnis, ebensolche Orientierungsgabe; sehr gutes Auge. Sehr eifrig, sehr strebsam und ausdauernd mit bestem Erfolg; sehr intelligent, ruhig und absolut verlässlich." Sowie "Im Dienst ernst und bedächtig; außer Dienst heiter jedoch ruhig". Die Sprachenvielfalt der k.u.k. Kriegsmarine und deren Offiziere zeigte sich auch bei Gustav Klasing, laut seiner Qualifikationsliste sprach er deutsch, italienisch, serbokroatisch, französisch und englisch.
Linienschiffsleutnant Eduard Hübner schloss sich Gstettners Meinung an und meinte ergänzend: "verspricht ein tüchtiger Unterseebootskommandant zu werden". Mit 1. November 1912 wurde er zum Linienschiffleutnant befördert. Die Anfänge des U-Bootwesens waren sehr schwierig. Man kannte zuwenig über die neue Waffe. Mit regelmäßigen Fahrten und Vergleiche mit den anderen U-Bootstypen versuchte man Vorzüge und Nachteile jedes einzelnen Typs zu ermitteln. Die neue Waffe stieß jedoch bei den meisten Admirälen auf wenig Interesse.
Klasing entschied sich einer anderen neuen Waffengattung zu widmen. Der Fliegerwaffe. Vom 1. Juli bis 15. Oktober 1913 war Gustav Klasing in Wiener Neustadt und nahm am 3. Fliegerkurs teil. Das Fliegerdiplom Nr. 130 erhielt er am 13. August 1913.
Mit 16. Oktober wurde er Kommandant im Reservestab S.M. U 3 und U 4. Damals hatte man für jedes Boot zwei komplette Besatzungen; eine versah Dienst am Boot während die zweite als Reserve und Ersatz bereitstand. Korvettenkapitän Franz Ritter von Thierry (10.7.1871 - 10.12.1942), Nachfolger Heyssler's als Kommandant der Unterseebootsstation Pola beurteilte ihn wie folgt: "zeigt großes Interesse für das Unterseeboots- und Fliegerwesen. Strebt nach höherer Ausbildung. Verspricht ein sehr verwendbarer Unterseebootskommandant zu werden. Ehrenwerter Charakter, sehr begabt, heiter."
Den Kriegsbeginn erlebte er als Manöveroffizier auf S.M.S. PELIKAN. Am 23. Oktober 1914 kam er zur Seeflugstation Pola. Auch hier entsprach er den Erwartungen. Linienschiffsleutnant Franz Mikuleczky urteilte über Klasing: "Eifrig mit entsprechendem Erfolg, sehr guter Seeflugzeugführer. Ernster Charakter, sehr begabt, ruhig und besonnen."
Er kam zur Seeflugzeugstation Kumbor und wurde GDO der Station. Der einzige Gegner damals war Montenegrino und die abwechselnd vor der Küste auftauchende französische Flotte. Mehrmals wurde Antivari oder die gegnerische Flotte angegriffen. Für seine Verdienste erhielt er im Februar 1915 die bronzene Militär Verdienstmedaille.
Am 3. März sichtete M 39 (Ockermüller, Gebauer) vor Antivari drei französische Kreuzer und 12 Zerstörer sowie zwei Handelsdampfer. Sofort stiegen neben M 39 auch L5 (Banfield, Dvorak) und L 32 (Klasing, Pieler) auf. Im Mondschein wurden der Hafen von Antivari und die französische Flotte angegriffen. Die Angriffe wurden am nächsten Tag wiederholt. Insgesamt wurden 59 Bomben abgeworfen und zahlreiche Erfolge erzielt.
Anfang Mai wurde klar, dass Italien dem Verbündeten in den Rücken fallen und Österreich den Krieg erklären würde. Die Marineflieger rekognoszierten Mitte Mai die Ostküste Italiens für den von Admiral Haus geplanten Angriff. Am Pfingstmontag war es dann soweit. Nachdem am Tag zuvor Italien Österreich den Krieg erklärte stieg Linienschiffsleutnant Klasing und Linienschiffsleutnant Fritsch mit L 46 gegen Ancona auf. Dort nahmen sie einen Eisenbahnzug, eine aus fünf Geschützen bestehende Batterie bei La Toretta, eine Batterie bei Ancona, die Gasanstalt, das E-Werk und das Achterkastell eines Dampfers unter Feuer.

Der Höhepunkt in seiner bisherigen Laufbahn erlebte er am Dienstag 8. Juni 1915.
Das italienische Marineluftschiff CITTÀ DI FERRARA (Linienschiffsleutnant Castruccio Castracane) griff gegen 3.00 Uhr früh die Werftanlangen der Ganz Co in Fiume mit mehreren Bomben an. Dabei kam ein Mann ums Leben. Klasing bestieg das Seeflugzeug L483 gemeinsam mit dem Beobachter Fregattenleutnant Johann Fritsch von Cronewald4 und stieg auf um das Luftschiff abzufangen. Gegen 5.15 Uhr kam es über der Insel Asinello in Sichtweite und Klasing eröffnete das Feuer. Das italienische Luftschiff versuchte zu entkommen, doch L48 blieb stets in Schussweite. Als schließlich die gesamte MG-Munition verbraucht war, schossen Klasing und Fritsch aus zwei Stutzen mit Ballonpatronen. Doch auch das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Es gelang bis auf rund 100 Meter an das Luftschiff heranzukommen. Man schoss nun mit der Signalpatrone auf den Gegner! Dies zeigte nun Wirkung. Eine Leuchtpatrone blieb auf den Bug brennend liegen und setze diese in Brand, worauf das Luftschiff niederging. Die Bemannung der sinkenden CITTÀ DI FERRARA wurde von herbeieilendem Torpedoboot 4 aufgenommen. Der zweite Offizier und ein Mechaniker ertranken. Über den Angriff schrieb Fregattenleutnant Fritsch an seinen Bruder: "Dienstag ist mir die "Citta di Ferrara" unter meine Hände gekommen, wie du weißt ist sie ja nimmer davon gekommen. Hatte natürlich eine Riesenfreude, denn es war wirklich schön so was großes greifbares, das uns ja schon ein paar mal angegriffen hat, zusammen zu schießen; zum Schluß hat die Bestie gebrannt und dann war sie bald weg. Da hab ich wohl ein Mordsgebrüll angestimmt, bei meiner Ankunft war ich dann ganz heiser, es war wirklich tadellos."
Klasing wurde später mit den Orden der Eisernen Krone ausgezeichnet.

Am 9.November 1915 flogen L42 (Drakulic, Pacher) und L46 (Klasing, Navratil) auf die Meldung "drei feindliche Flugzeuge gegen Triest" gegen Grado. L46 sichtete bei Mula di Muggia ein feindliches Unterseeboot, das beim Sichten des Flugzeuges tauchte. Als L46 an der Tauchstelle kreiste, musste es mit Motorschaden notlanden. Das Flugboot wurde zur Sprengung vorbereitet. Nach kurzer Zeit kam das U-Boot mit dem Turm außer Wasser und näherte sich dem Flugzeug um anzugreifen. Als jedoch ein Boot aus Triest heraneilte tauchte das italienische Unterseeboot. Linienschiffsleutnant Klasing entging somit der Gefangenschaft.

Es folgten erneut zahlreiche Einsätze bei denen Klasing vor allem Aufklärungseinsätze zu fliegen. Hatte. Am Isonzo standen die Truppen in erbitterten Schlachten gegenüber. An der südlichen Front standen auch Truppen der Kriegsmarine unter dem Kommando des Seebezirkskommandanten Kontreadmiral Alfred Freiherr von Koudelka. Im Oktober wurde Klasing nach Antrag Koudelka's mit der Militärverdienstmedaille 3. Klasse belohnt.
In den folgenden Monaten war er erneut erfolgreich tätig. Am 29. März 1916 bewarf er gemeinsam mit L67 (Molnar, Lettner) 18sm von Musil entfernt das aufgetaucht fahrende englische Unterseeboot
B9 (Rushbrooke) mit Bomben. Diese antworteten mit Maschinengewehrfeuer. Einen weiteren Angriff entzog sich das U-Boot durch Tieftauchen.
Im Mai 1916 erhielt er die silberne Militärverdienstmedaille.
Am 26. August 1916 blieb er mit A10 in einer Furche hängen und überschlug sich blieb aber unverletzt. Linienschiffsleutnant Klasing wurde später Kommandant der Seeflugstation Pola. Es folgten weitere zahlreiche Einsätze gegen Italien. Am Montag, 6. November 1916 sollte das neue Großkampfflugzeug G5/5 getestet werden. Im Kanal von Fasana, beim Haus Fragiacomo stürzte es ab und brannte aus. Beim Ansetzen zur Landung pendelte das Flugzeug und stürzte senkrecht ab. Fregattenleutnant Stanislaus Kaba fiel aus dem Flugzeug auf die Felsen, Fregattenleutnant Hely Nicora und Linienschiffsleutnant Gustav Klasing verbrannten. Bei der Bergung explodierten 2 Geschosse und verletzten einen Gendarmeriewachtmeister schwer.

An der Begräbnisfeierlichkeit nahmen neben seinen Fliegerkameraden auch Großadmiral Anton Haus, Hafenkommandant Admiral von Chmelarz teil. Während der Einsegnung kreiste ein Flieger über den Friedhof und senkte sich zweimal zum Zeichen der Trauer. Er wurde in Triest beerdigt.


Quellen:
Österreichisches Staatsarchiv, Kriegsarchiv, Personalakten
Schupita, Die K.u.K.Seeflieger Koblenz 1983
Trulei; Österreichs U-Boot Kommandanten; Manuskript

1 Es gab zwei Möglichkeiten zur Aufnahme in das Offizierskorps: als Zögling der Marineakademie oder als Maturant nach Absolvierung einer einjährigen Seeaspirantenschule

2 GDO: Gesamt-Detail-Offizier. Österreichische Bezeichnung. Entspricht dem 1.Offizier
3 L48; Serie: L46 - L51; Hersteller: Lohner; Motor: 140 PS Hiero: Länge 10.85; Spannweite: 16m: Höhe: 3,5m:Leergewicht: 859kg: Vollgewicht: 1325kg; Reichweite: 6 Stunden; Geschwindigkeit: 110 km/h; Gipfelhöhe: 2000m; Bewaffnung: 1 MG, 150kg Bomben; Besatzung: 2
4 Johann Fritsch von Cronewald stürzte am 22.4.17 mit K204 bei einem Probeflug bei Kap Laghi (Durazzo) tödlich ab.

5 G5; Serie: G4 - G 6; Konstrukteur: Mickl; Hersteller: OEFFAG; Geschwindigkeit: 118km/h; Bewaffnung: 1 Heck-MG, 1 Geschütz 7cm/L20; 800kg Bomben; Besatzung: 4